Reaktivdruck bei Stoffen – was ist das eigentlich?

Vielleicht hast du bei Stich & Schere schon den Begriff Reaktivdruck entdeckt und dich gefragt, was eigentlich dahintersteckt. Denn auf den ersten Blick sieht man einem Stoff natürlich nicht an, auf welche Weise das Motiv darauf gedruckt wurde.

Die Besonderheit des Reaktivdrucks liegt darin, wie die Farbe mit dem Material verbunden wird. Geeignete Reaktivfarbstoffe reagieren während der Verarbeitung mit der Faser und bilden eine feste chemische Verbindung mit ihr. Das unterscheidet das Verfahren beispielsweise vom Pigmentdruck, bei dem Farbpigmente mithilfe eines Bindemittels auf der Stoffoberfläche fixiert werden.

Reaktivdruck kann auf ganz unterschiedlichen geeigneten Stoffqualitäten eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei vor allem die Faserzusammensetzung der Grundware. In diesem Beitrag erfährst du, wie das Verfahren funktioniert, für welche Fasern es eingesetzt wird und was das Ganze am Ende für deinen Stoff und dein Nähprojekt bedeutet.

In diesem Beitrag:

Was ist Reaktivdruck?

Reaktivdruck ist ein Textildruckverfahren, bei dem spezielle Reaktivfarbstoffe verwendet werden. Der Name beschreibt dabei ziemlich genau, was passiert: Der geeignete Farbstoff reagiert mit der Faser und kann dabei eine feste chemische Verbindung mit ihr eingehen.

Für uns beim Stoffkauf muss die Chemie dahinter gar nicht komplizierter werden. Wichtig ist vor allem das Grundprinzip: Das Motiv wird nicht einfach mithilfe einer zusätzlichen Bindemittelschicht auf der Stoffoberfläche befestigt.

🧵 Einfach erklärt:

Beim Reaktivdruck werden geeignete Farbstoffe während der Verarbeitung chemisch an die Faser gebunden. Die Farbgebung wird dadurch ein Teil der Faser, anstatt lediglich mit einem Bindemittel auf ihrer Oberfläche fixiert zu werden.

Wie funktioniert Reaktivdruck?

Vom unbedruckten Stoff bis zur fertigen Meterware sind beim Reaktivdruck mehrere Arbeitsschritte notwendig. Der genaue industrielle Ablauf kann je nach Druckerei, Grundware und eingesetzter Technik variieren.

Zunächst wird die Grundware entsprechend vorbereitet. Anschließend wird das gewünschte Design mit den Reaktivfarbstoffen aufgebracht. Damit die gewünschte Verbindung zwischen Farbstoff und Faser entsteht, folgt danach die Fixierung unter den für das jeweilige Verfahren vorgesehenen Bedingungen.

Mit dem Drucken und Fixieren ist der Prozess aber noch nicht beendet. Anschließend wird der Stoff gründlich gespült beziehungsweise gewaschen. Dabei werden unter anderem Farbstoffanteile entfernt, die keine dauerhafte Verbindung mit der Faser eingegangen sind, sowie Rückstände aus dem Druckprozess. Danach wird die Ware getrocknet und fertiggestellt.

Vom Design zum fertigen Stoff:

1. Grundware vorbereiten
2. Design mit Reaktivfarbstoffen aufbringen
3. Farbstoff fixieren
4. Stoff gründlich auswaschen
5. trocknen und fertigstellen

Gerade die Schritte nach dem eigentlichen Drucken gehören also fest zum Reaktivdruckverfahren dazu. Der Stoff wird nicht einfach bedruckt und anschließend direkt als fertige Meterware ausgeliefert.

Für welche Fasern eignet sich Reaktivdruck?

Reaktivdruck ist nicht an eine bestimmte Stoffart wie Jersey oder French Terry gebunden. Entscheidend ist vielmehr, aus welchen Fasern die jeweilige Grundware besteht.

Im Textildruck werden Reaktivfarbstoffe besonders für geeignete cellulosebasierte Fasern verwendet. Dazu gehören beispielsweise:

  • Baumwolle
  • Viskose beziehungsweise Rayon
  • Lyocell
  • weitere geeignete cellulosebasierte Fasern und Fasermischungen

Dadurch können ganz unterschiedliche Stoffarten reaktiv bedruckt werden – zum Beispiel Jersey, French Terry oder geeignete Webwaren. Ob eine konkrete Stoffqualität für das Verfahren geeignet ist, hängt von ihrer Faserzusammensetzung und dem jeweiligen Produktionsprozess ab.

Reaktivdruck und Pigmentdruck im Vergleich

Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Reaktiv- und Pigmentdruck, wenn man betrachtet, wie die Farbe am Stoff fixiert wird.

Beim Reaktivdruck können geeignete Farbstoffe eine chemische Verbindung mit der Faser eingehen. Beim Pigmentdruck werden dagegen Farbpartikel mithilfe eines Bindemittels auf der Oberfläche des Stoffes fixiert.

Reaktivdruck Pigmentdruck
Farbmittel Reaktivfarbstoffe Farbpigmente
Fixierung geeigneter Farbstoff kann eine chemische Bindung mit der Faser eingehen Pigmente werden mithilfe eines Bindemittels auf der Oberfläche fixiert
Geeignete Fasern besonders geeignete cellulosebasierte Fasern auf vielen unterschiedlichen Faserarten einsetzbar
Nach dem Druck Fixieren, Auswaschen und Trocknen Bindemittel wird fixiert beziehungsweise ausgehärtet

Daraus sollte man allerdings kein pauschales „gut oder schlecht“ ableiten. Es handelt sich um unterschiedliche Druckverfahren mit unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. Pigmentdruck kann beispielsweise auf einer großen Bandbreite verschiedener Materialien eingesetzt werden. Reaktivdruck bietet bei geeigneten Fasern dagegen die Möglichkeit, den Farbstoff chemisch mit der Faser zu verbinden.

Was bedeutet das für den fertigen Stoff?

Für uns beim Nähen ist besonders interessant, dass beim Reaktivdruck für die Farbgebung keine Pigment-Bindemittelschicht benötigt wird. Dadurch kann der ursprüngliche Charakter der Grundware sehr gut erhalten bleiben.

Wie sich ein Stoff tatsächlich anfühlt und verhält, hängt trotzdem von mehreren Faktoren ab. Faserzusammensetzung, Stoffgewicht sowie Strick- oder Webart bestimmen unter anderem, wie weich, elastisch, kräftig oder fließend eine Qualität ist.

Deshalb können zwei reaktiv bedruckte Stoffe trotz desselben Druckverfahrens völlig unterschiedlich sein. Ein leichter Jersey verhält sich anders als ein French Terry und eine Webware wiederum anders als beide.

Für dein Nähprojekt ist deshalb immer die Kombination entscheidend: ein Design, das dir gefällt, und eine Grundware, die zu deinem Schnittmuster und dem gewünschten Ergebnis passt.

Was ist beim Nähen wichtig?

Reaktiv bedruckte Stoffe benötigen beim Vernähen keine spezielle Nähtechnik nur aufgrund des Druckverfahrens. Du richtest dich ganz normal nach der jeweiligen Stoffqualität.

Bei elastischer Maschenware wie Jersey oder French Terry kommen beispielsweise Jersey- oder Stretch-Nadeln infrage. Außerdem sollte die verwendete Naht die notwendige Dehnbarkeit des Stoffes mitmachen können. Bei einer Webware gelten entsprechend andere Anforderungen.

Auch beim Zuschneiden orientierst du dich an der Grundware und deinem Schnittmuster. Fadenlauf, Dehnbarkeit und die Angaben des Schnittmusterherstellers bleiben hier entscheidend.

Meine praktischen Nähhelfer 🧵

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Sollte Reaktivdruck vor dem Nähen gewaschen werden?

Reaktiv bedruckte Stoffe haben bereits während ihrer Herstellung einen Waschprozess durchlaufen. Nach der Fixierung werden nicht gebundene Farbstoffanteile und Rückstände aus dem Druckprozess ausgewaschen. Anschließend wird die Ware getrocknet und fertiggestellt.

Die Vorwäsche zu Hause hat deshalb einen anderen Hintergrund: Je nach Grundware und Verarbeitung kann sich ein Stoff bei späteren Haushaltswäschen trotzdem noch etwas verändern oder einlaufen.

Ich empfehle deshalb, auch reaktiv bedruckte Stoffe vor dem Zuschneiden noch einmal entsprechend der jeweiligen Pflegeempfehlung zu waschen. Sollte sich die Grundware dabei noch etwas verändern, passiert das bereits vor dem Zuschnitt und nicht erst beim fertigen Kleidungsstück.

💡 Gut zu wissen:

Die Vorwäsche zu Hause dient bei einem reaktiv bedruckten Stoff also nicht dazu, erst einmal überschüssige Druckfarbe oder Rückstände aus dem Produktionsprozess zu entfernen. Dieser Waschschritt gehört bereits zur Herstellung. Vor dem Nähen geht es vor allem darum, mögliche spätere Maßveränderungen der jeweiligen Grundware vorwegzunehmen.

Reaktivdruck bei Stich & Schere

Bei Stich & Schere biete ich Reaktivdruck im Rahmen von Vorbestellungen an. Während eines festgelegten Zeitraums kannst du aus den Designs und Stoffqualitäten auswählen, die für die jeweilige Runde angeboten werden.

Nach Ende der Vorbestellung gehen die bestellten Mengen in die Produktion. Dadurch unterscheidet sich die Reaktivdruck-Vorbestellung von Stoffen, die bereits fertig bei mir auf Lager liegen, und die Lieferzeit ist entsprechend länger.

Welche Designs und Grundwaren angeboten werden, kann sich von Runde zu Runde unterscheiden. So kannst du nicht nur nach deinem Lieblingsmotiv schauen, sondern auch die Stoffqualität auswählen, die zu deinem geplanten Nähprojekt passt.

💜 So funktioniert die Reaktivdruck-Vorbestellung

Lieblingsdesign auswählen
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Die aktuell angebotenen Designs und Stoffqualitäten findest du gesammelt in meiner Reaktivdruck-Kollektion.

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Fazit: Was ist das Besondere am Reaktivdruck?

Reaktivdruck ist ein spannendes Verfahren für geeignete Fasern, weil der Farbstoff während der Verarbeitung chemisch an die Faser gebunden werden kann. Nach der Fixierung folgt ein Waschprozess, bevor die Ware getrocknet und fertiggestellt wird.

Für dein Nähprojekt bedeutet das aber nicht, dass alle reaktiv bedruckten Stoffe gleich sind. Ob Jersey, French Terry oder Webware – die jeweilige Grundware bestimmt weiterhin wesentlich, wie sich dein Stoff anfühlt, wie er fällt und wofür er sich eignet.

Wenn du dir einen Stoff aus der Reaktivdruck-Vorbestellung aussuchst, lohnt sich deshalb der Blick auf beides: dein Lieblingsdesign und die dazu passende Stoffqualität. So passt am Ende nicht nur das Motiv, sondern auch der Stoff zu dem Projekt, das du daraus nähen möchtest. 🧵💜


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